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Belletristik REZENSIONEN |
Banaler Titel, langweiliger Krimi
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| Alexandra Marinina |
Russin |
Widrige Umstände
Anastasijas sechster Fall
Aus dem Russischen von Ganna-Maria Braungardt |
Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/Main 2003, 286 S.
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Widrige Umstände - man nenne mir einen Krimi, der so nicht heißen könnte...
Zusammen mit ihrem schwersten Fall ("Der gestohlene
Traum") ist dies der siebente Fall der Ermittlerin Anastasija (Nastja)
Kamenskaja. Da immer dieselbe Ermittlerin die Fälle der Marinina löst,
muss die Autorin einem Zufallsleser natürlich immer dasselbe Grundwissen
über die handelnden Hauptpersonen vermitteln: zum Beispiel, dass die bei
der russischen Miliz arbeitende Chefinspektorin Kamenskaja nicht besonders hübsch,
küchenunerfahren, kaffeesüchtig und seit vielen Jahren einem
Mathematikprofessor verfallen ist. Außerdem: "Sie trieb keinen Sport,
konnte nicht schnell laufen, nicht schießen, beherrschte keinen
Kampfsport." Statt dessen kann die Kamenskaja denken und analysieren.
Auch das wird zu Beginn aller Bücher für den Erstleser - nicht
immer geschickt - abgearbeitet. Dem Stammleser hängen diese nun schon
mehr als bekannten Charaktereigenschaften der Kamenskaja zum Halse raus
- übrigens auch ihr "Aufwachprozess" unter der erst heißen, dann kalten
Dusche. Doch bisher folgte dann ein spannender Handlungsverlauf und man
hatte - bis zum nächsten Buch - seinen anfänglichen Unmut vergessen.
"Es waren drei Mörder", so beginnt Widrige Umstände, "ein
Auftraggeber, ein Organisator und ein Vollstrecker." Ermordet wird eine Majorin der Miliz, die ein Buch über
Korruption im Staatsapparat geschrieben hat - von einem Vollstrecker,
den ein Auftraggeber organisiert hat. Das hört sich spannend an, ist es
aber nicht. Widrige Umstände ist von allen Fällen der am
wenigsten spannende Fall. Geht der Marinina die Phantasie aus? Denn wieder einmal schlüpft die "graue Maus"
Anastasija Kamenskaja in eine andere Identität, wird über Wochen hinweg diesmal die
aufreizende und kapriziöse Journalistin und Erpresserin Larissa Lebedewa, und wieder einmal verbringt die Ermittlerin viele Stunden mit
einem Profikiller. Da sie aber denken und analysieren kann, wie nun
schon alle wissen, gibt sie (ebenfalls wieder einmal) so raffiniert
verschlüsselte Angaben nach draußen, dass der Leser baff ist über die
Verschlüsslerin und über die Entschlüssler. Leider ist der
Marinina-verwöhnte Leser nach der Lektüre von Widrige Umstände
überhaupt nicht baff.
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Gisela Reller
/ www.reller-rezensionen.de
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Am 19.09.2003 ins Netz gestellt. Letzte Bearbeitung am
02.12.2008.
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