Reiseliteratur-BildbändeREZENSIONEN

Bildband mit Foto-Korsett

Kyrgyse
Ferne Heimat KIRGISIEN
Format 27,5 x 22 cm, Mit zahlreichen Farbfotos von Georg Kürzinger
Knesebeck Verlag, Zürich 1999, 143 S.

Kyrgysstan besteht zu 90 Prozent aus Gebirge, die Hälfte des Landes liegt über 3 000 Meter hoch. Wie stark muss ein Volk sein, um sich hier zu behaupten? Aus dieser Landschaft stammt der Schriftsteller Tschingis Aitmatow - in fast neunzig Sprachen der Welt übersetzt. 

Der Münchner Fotograf Georg Kürzinger las die Werke des kyrgysischen Autors und brannte darauf, nach Kyrgysstan zu reisen, um dieses grandiose Land kennen zu lernen und für einen Bildband zu fotografieren. Man merkt an den Bildern, die Gastgeber haben zu ihm, dem Deutschen, Vertrauen gefasst. Aber: Wozu so viele kleine Fotos, mal - ohne erkennbaren Grund - im Satzspiegel, mal darüber hinausgehend, mal ganz aus dem Satzspiegel tretend. Oft liegt die Helligkeit im Vordergrund, auf Hausgeräten, Tieren, Umgebung - und die Gesichter der sich dahinter befindlichen Menschen sind schwarze Flächen - ein Gesichtsausdruck ist nicht erkennbar.

In Betrachtung der Fotos - hier sind die kleinen Fotos dagegen angebracht - schrieb Tschingis Aitmatow die essayistische Vorbemerkung "Mein Land - Ein Vermächtnis in Bildern": persönlichen Erinnerungen nachhängend, das große Weltgeschehen im Auge... 

Friedrich Hitzer, seit 1985 (nach Charlotte Kossuth) neuer Übersetzer der Bücher Aitmatows, hat geschickt Auszüge ausgewählt aus "Dshamila", "Abschied von Gülsary", "Der weiße Dampfer", "Aug in Auge", "Der erste Lehrer", "Ein Tag länger als ein Leben" (Die DDR-Ausgabe heißt "Der Tag zieht den Jahrhundertweg"), "Der Richtplatz" (Die DDR-Ausgabe heißt "Die Richtstatt"). Dadurch, dass die Fotos von Kürzinger - den Leseproben entsprechend - zu Komplexen zusammengestellt sind, hat man oft den Eindruck, weniger wäre mehr gewesen. Bei den beiden Auszügen zu "Abschied von Gülsary" (Gülsary ist ein Pferd) zum Beispiel müssen die dafür vorgesehenen Seiten mit mehr Pferdebildern und Fotos von Reiterspielen gefüllt werden, als - offensichtlich - gute Fotos vorhanden waren. Kein vorteilhaftes Korsett, das dem Fotografen da angelegt wurde. Ich vermisse auch ausdrucksstarke Porträts. Oft sind die Menschen ihrer Arbeit zugewandt - abgewandt vom Fotografen und Foto-Betrachter. Insgesamt bleibt ein Eindruck von exotischer Landschaft mit exotischen Menschen - aber kein Foto, das nachhaltig in Erinnerung bleibt. 

Der Fotoband  schließt mit - von Hitzer* zusammengestellten - biographischen Angaben zu Tschingis Aitmatow, in denen leider zwei Fehler anzumerken sind: Seit seiner Unabhängigkeit nennt sich Kirgisien Kyrgysstan; Kirgistan (auf Seite 135, ob y oder i - darüber lohnt nicht zu streiten) ist falsch; denn übersetzt heißt dies: Land (stan) der Kyrgysen (kyrgys). Wo blieb bei Friedrich Hitzer das zweite s? Und - das allerdings ist ein erstaunlicher Lapsus: Stalin starb nicht 1952, sondern  am 5. März 1953.

Gisela Reller / www.reller-rezensionen.de 

    * Der Übersetzer Friedrich Hitzer starb am 15. März 2007. 

 

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Am 15.02.03 ins Netz gestellt. Letzte Bearbeitung am 15.02.2015.

Das unterschiedliche Schreiben von Eigennamen ist den unterschiedlichen Schreibweisen der Verlage geschuldet.

 
Sowohl das weiße als auch das schwarze Schaf auf vier Beinen steht.
Sprichwort der Kyrgysen

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